Craniosakrale Körperarbeit
Minimale Kraft, maximale Wirkung

Craniosakrale Körperarbeit wirkt über die einfühlsame therapeutische Interaktion mit der feinsten spürbaren Lebensäußerung des Körpers: der cranialen Rhythmik. Wenn Behandler/-innen ihre berührende Wahrnehmung auf den cranialen Puls fokussieren, entsteht eine Form von therapeutischem Kontakt, der als ein Zuhören und Verstehen mit den Händen beschrieben werden kann.

Jenseits aller Methodik und Behandlungstechnik gilt es dann, eine verfeinerte Aufmerksamkeit für die Mitteilungen dieses lebendigen Pulses zu entwickeln. Die kaum spürbare, zeitlupenhaft strömende Bewegung der cranialen Rhythmik ähnelt dem Atem und ist wie dieser meist unbewusst.

Für craniosakral arbeitende Physiotherapeuten kommt es darauf an, sich in die Bewegungsmuster der Patienten einzustimmen, sich mitfühlend von ihnen bewegen zu lassen und das gemeinsame Bewegtsein zur Orientierung der manuellen Heilimpulse werden zu lassen. Craniosakrale Körperarbeit wird so zur stillen Kommunikation mit dem Lebendigen und damit zu einer Resonanztherapie in physiotherapeutischer Form. Ob der feine, rezeptive Charakter dieser Arbeit der Grund dafür ist, dass ca. zwei Drittel bis drei Viertel aller Praktizierenden Frauen sind, sei dahingestellt.

Craniosakrale Körperarbeit ist jedoch mehr als eine intuitive Energiearbeit. Sie setzt eine genaue klinische Diagnostik, ein Wissen um Möglichkeiten und Grenzen der Methode innerhalb der Indikationsfelder und ein präzises Umsetzen in die geeignete manuelle Therapie voraus. Behandlungstechnische Virtuosität bringt das Mitgefühl erst zur vollen Breite seiner therapeutischen Wirkung. In der craniosakralen Körperarbeit ergänzt sich die genaue Anwendung der für die jeweilige Indikation geeigneten Technik mit einer meditativen Stille und Achtsamkeit.

Lauschen – dem Körper mit den Händen zuhören – tritt an die Stelle routinierten Machens. Die individuellen Spannungsmuster der Patienten tragen ihre entsprechenden Lösungswege in sich. Sie wollen vom Herzen der Behandler/-innen begleitet und von seinen/ihren Händen gezielt unterstützt werden. Die sich daraus entwickelnde äußere und innere Bewegung gleicht einem Fluss mit seinen Windungen und Stauungen. Der Behandler öffnet nur zur rechten Zeit die Schleuse. Die Strömung findet selber ihren Weg.


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