Osteopathie – Was ist das?

>>> Osteopathie anschaulich erklärt in der MDR-Sendung "Hauptsache gesund"

Die Osteopathie wurde vor über 100 Jahren vom amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still begründet. Still entdeckte, dass jede Krankheit immer eine gewisse Unbeweglichkeit im Knochensystem mit sich bringt und dass das jeweilige Krankheitsbild positiv beeinflusst oder sogar geheilt wurde, wenn er diese Unbeweglichkeiten beseitigte. Er ging davon aus, dass die Unbeweglichkeit der Knochen für einen gestörten Stoffwechsel verantwortlich ist und das der Mensch dadurch krank werden kann.

Dr. Still nannte seine Methode „Osteopathie“, also „Krankheit durch Knochen“. Am 22. Juni 1874 stellte er die Osteopathie seinen Kollegen vor – das Konzept wurde von ihnen kategorisch abgelehnt. 1878 gründete er in Kirksville/Missouri eine eigene Schule – die American School of Osteopathy. Er blieb seiner Philosophie treu, die besagte:

„Gott hat den Menschen so geschaffen, dass für seine Heilung nichts hinzugefügt
oder weggenommen werden muss. Alles ist in ihm selbst anwesend.
Der menschliche Körper ist Gottes Apotheke.“


Das Besondere dieser Schule war, dass auch Farbige und Frauen für die Teilnahme am Medizinstudium willkommen geheißen wurden. Zeitgeschichtlich betrachtet war dies eigentlich noch undenkbar.

Still hatte viele Schüler, von denen einige der neuen Methode treu blieben und sie weiterentwickelten. Andere wiederum gründeten neue Schulen – eine der bekanntesten Ableitungen ist die, der Chiropraktik. Seine Schüler bemerkten, dass nicht nur die Knochen als generelle Ursache für alle Krankheiten in Frage kamen, sondern auch anderes Gewebe schlecht beweglich sein kann. Der auf diese Weise gestörte Gewebestoffwechsel bietet Krankheitserregern die beste Voraussetzung, sich auszubreiten.

Auch ohne den Ausbruch einer Krankheit können diese Gewebe infolge der abgelagerten Stoffwechselprodukte schmerzhaft sein. Jede Störung ist in der Lage, eine weitere hervorrufen. Der Körper passt sich so lange an (Kompensation), bis er nicht mehr weiter kann (Dekompensation). Wenn keine Anpassung mehr möglich ist, wird der Mensch krank.

Die Osteopathie versucht, die Beweglichkeit einer gestörten Struktur zu verbessern und somit deren Funktion wiederherzustellen – die betroffene Person erhält so ihre Kompensationsmöglichkeiten zurück.


Die craniosakrale Therapie

Die Geschichte der craniosakralen Therapie beginnt am Anfang des letzten Jahrhunderts, als der Osteopath Dr. William Garner Sutherland die bis dahin unübliche Idee hatte, dass Schädelnähte deshalb eine bestimmte Form aufweisen, weil die Schädelknochen untereinander beweglich sind. Während mehr als 20 Jahren entwickelte er ein Konzept zur Befunderhebung und Behandlung – sein Modell wurde Craniale Osteopathie genannt.

Sutherland fühlte den craniosakralen Rhythmus und hörte nie damit auf, Techniken zu kreieren, die der harmonischen Expansion und Reduktion des Kopfes galten. „Get the feeling!“, das waren seine Worte.

Der amerikanische Arzt und Operateur Dr. John Upledger bemerkte in den 60er Jahren die pulsierende Arbeit der Hirn- und Rückenmarkshäute. Er hatte keine Erklärung dafür, bis er auf die Osteopathie, insbesondere die Craniale Osteopathie nach Sutherland, aufmerksam wurde. Dr. John Upledger revolutionierte mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten über das Nervensystem und dessen konservative Behandlungsmöglichkeiten den cranialen Aspekt der Osteopathie und eröffnete bis dato ungeahnte Horizonte.

Sein Modell der Cranio Sacralen Therapie bezieht sich auf das Erinnerungspotenzial einzelner Zellen, ermöglicht deren emotionale Entspannung und bezieht neben dem Körper erstmals auch den Geist und die Seele mit ein. Der französische Osteopath Jean Pierre Barral sammelte, erweiterte und beschrieb als erster das Spektrum der Behandlungstechniken, die über die inneren Organe ausgeführt werden, um so auch das Achsenorgan Wirbelsäule zu tangieren.

Heute ist es wissenschaftlich bewiesen, dass nicht – wie Still einst vermutete – die Knochen für Krankheiten innerer Organe verantwortlich sind, sondern dass Dysfunktionen innerer Organe im Verhältnis 80:20 zu Bewegungseinschränkungen oder Blockaden der Wirbelkörper führen. Rückenschmerzen sind also fast immer Projektionen von Funktionseinschränkungen innerer Organe.

Organisch heißt "viszeral", weshalb heutzutage die Bezeichnung „Viszeropathie“ passender wäre, als Osteopathie. Im Laufe der Zeit haben sich die vier Behandlungsarten weiterentwickelt, die sich auf vier verschiedene Typen von Körpergewebe beziehen, die sich ergänzen und gegenseitig bedingen:
  • Parietale Osteopathie
    Behandlung der Knochen und der dazugehörigen Weichteile, der Muskeln und Sehnen
  • Viszerale Osteopathie
    Behandlung der inneren Organe und ihrer Aufhängungen, des Bandapparates
  • Craniale Osteopathie
    Behandlung der Schädelknochen, Hirnhäute und Faszien, der Hüllenschicht aller Organe
  • Craniosakrale Therapie
    Behandlung der Seele bzw. der individuellen emotionalen Verfassung
Jede der vier Behandlungsarten wird mit den Händen ausgeführt – Osteopathie ist deshalb im Sinne des Wortes eine manuelle Therapie. Es folgen einige Anwendungsgebiete der Osteopathie, wobei die Liste natürlich nicht vollständig ist:
  • Behandlung von Schmerzen des Bewegungsapparates, sowohl akut, als auch chronisch; z. B. nach Hexenschuss, Ischialgien, nach Unfällen oder Operationen
  • Behandlung im Bereich des Kopfes; einige spezifische Indikationen sind z. B. Schwindel, Tinnitus, chronische Nebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen, Migräne, Kopfschmerz, Sehstörungen, Dysfunktionen des Kiefergelenks
  • Kinderheilkunde; z. B. Lern- und Konzentrationsstörungen, Bettnässen, Koordinationsstörungen, Dysfunktionen im Säuglingsalter
  • Behandlungen im internistischen Bereich; z. B. Verdauungsstörungen, Sodbrennen, funktionelle oder vegetative Herzbeschwerden, chronische Übermüdung, hormonelle Störungen, Zustand nach Operationen und Narbenbehandlung
  • Behandlung im neurologischen Bereich; z. B. Traumata von Gehirn und Rückenmark, Dysfunktionen des zentralen Nervensystems
  • Behandlung der Psyche; z. B. vegetative Dystonien, Stress und diesbezüglich spannungsbedingte Störungen, emotionale Schwierigkeiten
  • Behandlung im urogenitalen Bereich; z. B. Inkontinenz oder Rückenschmerzen infolge der Menstruation
Osteopathie belebt und vitalisiert den Körper in seiner Gesundheit. Diese Belebung versetzt das Gehirn in die Lage, präzisere, spezifisch richtige und kräftige energetische Botschaften in einer besseren und wirkungsvolleren Weise auszusenden. Osteopathie sollte jedoch nicht als Allheilmittel gegen Krankheiten angesehen werden – sie dient lediglich der Normalisierung funktioneller Störungen innerhalb der körpereigenen Regelkreisläufe.

Osteopathie findet ihre Anwendung insbesondere bei medizinisch unbegründeter Symptomatik und dort, wo Apparate und Medikationen erfolglos bleiben. Auch wenn die Osteopathie nicht als Allheilmittel oder Medizinersatz gesehen werden darf, so ist sie dennoch eine starke Waffe im Kampf gegen Krankheiten.


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